Langlauf im COS

Einen strahlend klarer Wintermorgen erleben wir heute in Zakopane. Die umliegenden Gipfel der Hohen Tatra sind nun endlich sichtbar. Leider ist die Seilbahn auf den Kasprowy Wierch (rund 2000 Meter hoher Hausberg von Zakopane, unweit der slowakischen Grenze und den ich von meinem Hotelzimmer direkt erkennen kann) für den ganzen Tag ausgebucht. So buche ich dann online ein Ticket für den morgigen Tag.
Stattdessen geht es dann per Auto zu der Langlaufloipe des COS (Centralny Osrodek Sportu = Zentrales Sportzentrum https://zakopane.cos.pl). Doch der exakte Loipeneinstieg ist ziemlich versteckt. Zuerst muss ich jedoch noch eine Skating-Ausrüstung organisieren. Ich frage viele Leute, in Skivermietungen und sonstwo, einige verweisen mich an irgendeinen anderen „Shop“ in der Nähe, andere habe vollständig keine Ahnung und wünschen mir „Good Luck“. Schliesslich rettet mich eine polnische Familie welche mit Langlaufskis der Strasse entlang schlendert. Der Mann weiss wo der Langlauf-Mietshop ist doch er bedenkt dass es sehr schwierig zu finden sei und kann mir jedoch die Telefonnummer des Shops geben. Und tatsächlich, ich rufe an und erhalte per Whatsapp den Standort des Shops, welcher keine 10 Gehminuten entfernt ist (jedoch super diskret und versteckt). Zu meiner Überraschung ist in der kleinen Bude Hochbetrieb, doch ich werde rasch von Inhaberin Marta Naglik (https://grupatatry.pl/) bedient und erhalte einen fast neuen Fischer Skating Ski der Topklasse. Ich möchte den Ski für die nächsten 5 Tage mieten. Ich kritzle meinen Namen und die Hoteladresse auf ein Post-It Zettelchen, welches als Sicherheit genügt. Kein Depot (Bargeld), keine Kreditkarte, kein Ausweis. Wow, wo gibt es noch so viel Vertrauen in Menschen?
Nachher geht es gleich auf die nahegelegene Loipe des COS, welches als Olympia Vorbereitungszentrum für Spitzensportler gilt. Der Rundkurs ist topographisch ziemlich anspruchsvoll, nur 2 Kilometer lang, aber in einem absoluten Topzustand mit einer durchgehenden 1-Meter Kunstschnee Unterlage präpariert. Zudem durchgehend beleuchtet. Es ist eine eigentliche Wettkampf Strecke, welche täglich bis 11:00 Uhr für Profis und Leistungssportler exklusiv reserviert ist, ab 11:00 Uhr dann für die Öffentlichkeit offen steht (Eintrittspreis 20 Zloty). Ich absolviere 8 Runden auf (knapp 16 km, ca. 400 Höhenmeter) und bin begeistert. Zu meiner Überraschung leben hier mindestenens zwei ziemlich zutrauliche Hirschfamilien in direkter Nähe der Sportanlagen. Auf dem Rückweg zum parkierten Auto gegen 16 Uhr sind schon die aus Norden ankommenden Schneewolken sichtbar und die Dämmerung beginnt früh hier in Osteuropa. Langlauf auf polnisch heisst übrigens biegowe, das hab ich auch noch gelernt heute.

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